gestern bin ich über ein interview mit jasper juuls gestolpert, der unter anderem “das kompetente kind” geschrieben hat. im interview geht es hauptsächlich darum, dass kinder häufig übererzogen werden, eltern sich überfordert fühlen, dass es keinen wirklichen erziehungsexperten gibt und auch um die betreuung von kindern.
am besten gefällt mir im interview folgende aussage:
Kinder zu haben, ist eine lange, eine unendliche Liebesbeziehung, wie zwischen Männern und Frauen. Aber niemand sagt, das Leben zwischen Männern und Frauen ist einfach oder ohne Konflikte. Warum machen wir einen Unterschied zwischen „richtigen Menschen” und Kindern?
wer von uns liest schon dauernd beziehungsratgeber oder macht sich wirklich täglich gedanken um die beziehung zum partner? warum werde ich fast schon schief angeschaut, wenn ich erzähle, dass ich eigentlich kaum erziehungsratgeber lese, sondern viel lieber auf mein bauchgefühl und meine mutterinstinkte höre? ich kann mein kind in keine schiene pressen, genauso wenig wie ich ein buch 100% bei meinem kind anwenden kann. denn jedes kind ist anders und jedes kind erlebt andere dinge, die es prägen. aber mich hat dann auch “jedes kind kann schlafen lernen” zum denken bewegt. lange zeit hab ich geschworen, dass ich dieses “teufelswerk” bestimmt nicht lesen werde. nach langen monaten, in denen wir kaum eine stunde am stück geschlafen haben, tat ich es dann doch. und ich konnte wirklich wertvolle tipps mitnehmen, auch wenn es viele dinge gab, die einfach nicht zu meinem kind und mir gepasst haben. aber es hat geholfen unser handeln zu reflektieren und an manchen seiten zu ändern, sodass es heute zu solchen posts wie vorhin kommt, dass lena jede nacht mind 12 stunden durchschläft, was bis vor 2 monaten undenkbar war. traurig finde ich es dann, wenn man alles aus einem der vielen bücher umsetzen möchte, ohne sich gedanken darüber zu machen.
vor kurzem hat eine zufällige, männliche bekanntschaft im zug gemeint, dass eigentlich genau die falschen eltern erziehungsratgeber kaufen. nämlich solche, die sich eh schon gedanken über die erziehung und ihre beziehung zum kind machen.
ich bin auch offen für tipps und bücher, wälze aber nicht haufenweise diese werke um mich in meiner meinung zu bestätigen. oft bekommt man diese bestätigung ja auch im alltag, wenn man freunde oder familie besucht oder auch wenn man hier die blogs liest. ich denke wichtiger als jeder erziehungsratgeber ist es, das eigene handeln zu reflektieren und sich selber zu überlegen, ob das nun zu sich und zu seinem kind passt. und ich bin davon überzeugt, dass das bisher eigentlich ganz gut geklappt hat. auch wenn die richtige erziehungsarbeit erst jetzt kommt.
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